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Die Altstadt von Burgdorf –
eine erfundene Geschichte?

Verloren standen einige Autos auf den vielen Parkfeldern der Einkaufsmeile. Der riesige Betonbau bröckelte, benutzt wurde nur noch ein kleiner Teil des Gebäudes. Gelangweilt sass eine Verkäuferin an der Kasse und schob ihren Kaugummi hin und her. Seit die Leute die Altstadt von Burgdorf entdeckt hatten, verwaiste die Einkaufsmeile immer mehr. Ja, sie hatte lange funktioniert, aber dann entdeckten die Menschen, dass es in der Oberstadt mehr Leben hat … und dass man sich hier Zeit für die Kunden nimmt.

Toll war zudem, dass jeden Samstag auf dem Kronenplatz eine Dixieland-Band ein Gratis-Konzert gab, an dem Jung und Alt Spass hatte.

Es war nicht einfach, die Einkaufsmeile zog die Leute magisch an. Die vielen Billigangebote, die grosse Auswahl. Und doch, es fehlte etwas. Es dauerte einfach einen Moment bis die Menschen es merkten. Zum Beispiel wie wunderbar es ist, sich mit Leuten zu treffen und Begegnungen zu erleben, die es einfach in der Oberstadt im familiären Rahmen noch gibt und man/frau sich zu Hause fühlen oder zumindest dieses Gefühl erleben kann.

Freudiger, der letzte noch verbleibende Manager des bröckelnden Betonbaus, raufte sich die Haare. Die Kaugummi kauende Verkäuferin ging ihm auf die Nerven und der Umsatzrückgang machte ihm das Leben schwer. Er musste etwas tun! Ein teuflisches Lächeln glitt über seine Lippen.

Er dachte sich eine Strategie der Wiederbelebung seiner Einkaufsmeile aus. Listig wollte er die vor Jahren eingeführten Parkplatzgebühren wieder abschaffen und die Besucher mit einem attraktiven Rahmenprogramm wiedergewinnen. Was er dabei nicht berücksichtigte, war der Charme, den die Burdlefer Altstadt versprüht.

Er nahm sich eine Zigarette, zog seinen verknitterten Regenmantel an, richtete seine geschmacklose Krawatte und machte sich auf den Weg. Er wollte heute noch mit den Verantwortlichen des Zentrums und den örtlichen Behörden sprechen und diese überzeugen, dass sein Plan ein guter Plan sei. Sein leicht hinkender Gang lenkte davon ab, dass er diesen Verschleissjob seit Jahren hasste und sich eigentlich gar nicht mehr engagieren mochte. Was dachte wohl seine Freundin über sein wiederum zeitintensives Vorhaben? Sie hatte ihn die letzten Jahre nur selten gesehen und sich schon mehrfach beschwert. Er hatte Angst, sie laufe ihm davon. In den Ferien hatten sie schon nichts mehr Gemeinsames zu berichten und seine Kinder aus erster Ehe kannten seinen Namen schon bald nicht mehr. Er war vom Vater zum Herr Nobody mutiert. Er dachte sich, dann müsse er halt stärkere Zigaretten kaufen oder wieder mit trinken beginnen, das würde helfen und die Gedanken ablenken.

Die Sitzung mit den Verantwortlichen des Zentrums begann mühsam. Keiner wollte mehr so richtig investieren. «Die Konkurrenz von Burgdorf ist zu gross», meinte Büttiker und wischte sich mit einem riesigen Taschentuch den Schweiss von der Stirn.

Freudiger rückte auf seinem Stuhl hin und her. Die Anwesenden bemerkten seine Unruhe, aber keiner wagte zu fragen, was ihn bewege.

Nach einem farblosen Plädoyer des Vorsitzenden wagte sich Freudiger selber zu melden. «Ja, keiner erkennt den eigentlichen Sinn, keiner denkt an ein ferneres Ziel unserer Tätigkeit», meinte Freudiger. Dann brach es aus ihm aus: «I bi doch nid blöd! Wir ziehen um, in der Burdlefer Oberstadt gibt es viele leer stehende Geschäfte, wo wir unser Business viel besser ausüben können als hier, meilenweit vom Leben entfernt.» Er stand auf und verliess das Sitzungszimmer. Die Kollegen steckten die Köpfe zusammen, sie waren alle einer Meinung: Freudiger hatte Recht!

Zuerst wurde nur gemurmelt, dann die ersten Stimmen laut. «Wir ziehen um und verteilen unsere Geschäfe in der Altstadt von Burgdorf.»

Büttiker sprang hoch und rannte Freudiger hinter her, der bereits bei seinem Auto angelangt war.

Fazit:

Ab sofort ist mir klar, ich lebe in Burgdorf und unterstütze die Altstadt, kaufe ein, geniesse einen Kaffee und lasse mich inspirieren von all den tollen Geschäften.

Geschrieben wurde diese Geschichte im Rahmen div. Geschäftseröffungen in der Altstadt von Burgdorf.

Beteiligte AutorInnen: Werner Eichenberger, Luzia, André, Kurt Oppliger und Trix

 
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