Schuld verjährt nicht

Erinnerung stirbt nicht

Olof Hagström ist auf dem Weg nach Adalen im Norden von Schweden zum Haus seines Vaters, welches er vor 23 Jahren verlassen musste. Er war erst 14 Jahre alt, als er den Mord an der wenig älteren Lina Stavred gestand. Zu jung fürs Gefängnis, wurde er in einem Jugendheim untergebracht. Jetzt steht er vor der Tür, auf sein Klingeln und Klopfen reagiert niemand. Er findet den Schlüssel, der noch immer unter einem Stein aufbewahrt wird und betritt das Haus. Ein panischer Hund steht vor ihm, es riecht grauenhaft und der Boden steht unter Wasser. Im Badezimmer findet er seinen Vater, der erstochen am Boden liegt. Panik überfällt ihn, er flieht, kurz darauf wird er festgenommen.

Polizistin Eira Sjödin kehrt nach einigen Jahren in Stockholm zurück in ihre alte Heimat Adalen. Sie will sich vermehrt um die demenzkranke Mutter kümmern, die im eigenen Haus lebt, doch dies wird zunehmend schwieriger.

Eira steht am Anfang ihrer Karriere und jetzt darf sie zum ersten Mal, gemeinsam mit ihrem älteren Kollegen Georg Georgsson, in einem Mordfall ermitteln. Ein Fall, der sie mit den Albträumen ihrer Kindheit konfrontiert. Sie kennt Olof von früher und weiss um den Mord an Lina. Hat er jetzt seinen Vater umgebracht?

"Sturmrot" stand in Schweden wochenlang auf Platz 1 der Bestsellerliste und wurde als bester schwedischer und skandinavischre Krimi ausgezeichnet. Nebst der Spannung sticht Autorin Alsterdal durch ihre erhellende soziale Perspektive heraus. Nach und nach gräbt Polizistin Schicht für Schicht ab und bringt die Wahrheit ans Tageslicht. Und die hat es in sich.

Ein fulminanter Start, der Lust auf mehr macht. Band 2 erscheint im Oktober.

Tove Alsterdal: Sturmrot   Rowohlt Verlag

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Ein Bergsteiger-Thriller

Auf tödlichem Weg

Journalistin Cecily bekommt eine einmalige Chance: Sie darf als Erste den berühmten Bergsteiger Charles McVeigh interviewen, nachdem dieser innerhalb eines Jahres sämtliche vierzehn Achttausender bestiegen hat. Einzige Bedingung: Sie bekommt das Interview erst, wenn sie mit ihm den Manaslu erklommen hat. 

Mit einer kleinen Gruppe macht sie sich auf den Weg. Von Lager zu Lager werden es immer weniger Teilnehmer. Unfall? Selbstüberschätzung? Nicht ohne Grund nennt man diese Höhen Todeszone. Das Wetter wird schlechter, die Situation verschärft sich. Zudem hat Cecily eine Nachricht erhalten: Ein Mörder ist am Berg, bring dich in Sicherheit! Meter um Meter steigt die Gefahr. Diese Tour ist besonders tödliche, denn einer aus der Truppe ist ein Mörder. Und irgendwann ist die Luft selbst zum Schreien zu dünn...

Man merkt, dass die Autorin Amy McCulloch eine erfahrene Bergsteigerin ist. Sie weiss viel zu erzählen über die Strapazen, die unmittelbare Lebensgefahr, die Angst am Berg zu versagen oder zu sterben. Sie nimmt verschiedene Themen auf, sei es die mediale Aufmerksamkeit (eine Bloggerin ist ebenfalls in der Bergsteigertruppe) oder die Riten und Segnungen der Sherpas, dem Bergvolk, das sich immer wieder grosser Gefahren aussetzt, um die Familie ernähren zu können. 

"Der Aufstieg" ist mehr als ein üblicher Thriller. Man erfährt viel über das Leben im Lager, wie schlecht vorbereitet manche sich an dieses Abenteuer wagen, wie unwirtlich die eisigen Höhen sind und was solche Massenwanderungen für die Umwelt bedeuten. Die Atmosphäre am Manaslu ist klar spürbar, die Spannung ist hoch und man friert mit. Wer gerne Thriller liest und auch an abenteuerlichen Geschichten interessiert ist, findet hier die perfekte Geschichte. 

Amy McCulloch: Der Aufstieg   Piper Verlag

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Lebe lieber lesend

Eine Liebeserklärung an das Schreiben und Lesen

Als Anne-Lise im Hotel Beau Rivage in ihrem Zimmer ein Manuskript findet, ist ihr Wochenende gerettet, ohne Lektüre kann sie nämlich nicht einschlafen. Und dann ist es auch noch eine ganz besondere Geschichte. Sie beschliesst, den Autor ausfindig zumachen, um ihm das Manuskript zurückzugeben. Und sie findet ihn tatsächlich. Der eigenbrödlerischen Sylvestre hat vor über dreissig Jahren die erste Hälfte verfasst, fertig wurde er nie damit, allerdings hat die Geschichte ein Ende. Wer hat den Schluss geschrieben? Wie kam der Roman in dieses Hotel? Fragen über Fragen stellen sich der neugierigen Anne-Lise.

Es beginnt eine Suche, die nicht nur ihr Leben durcheinander wirbelt, auch weitere Menschen geraten in den Strudel und machen sich mit auf die aufregende Reise. Dieses Manuskript hat es in sich. Die Weichen derer, die es gelesen haben, wurden neu gestellt. Und auch die von Anne-Lise erfährt eine Wendung.

"Das Glück auf der letzten Seite" ist ein Roman in Briefen - ein Liebesbrief an Briefe, das Lesen und die Gewissheist, dass ein Buch ein Leben verändern kann. Beginnt es noch recht leicht, entwickelt sich mit der Zeit ein Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Die Neugier, durch wessen Hände das Manuskript gegangen ist und welche Weiche dabei neu gestellt wurde, lässt einen nicht mehr los. Beschwingt liest man sich durch die vielen Briefe und fühlt sich dabei wunderbar unterhalten - ein richtiges Feel-Good-Buch. 

 Cathy Bonidan: Das Glück auf der letzten Seite   Zsolnay Verlag

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Das Gleichgewicht der Welt

Berückend schön

Deutschland in den späten Neunzigerjahren: Zeljko, der von allen Jimmy genannt wird, ist fünfzehen und lebt mit seinen Eltern und den Geschwistern zu fünft in einer Zweizimmerwohnung. Seinen Lesehunger stillt er mit dem Einsammeln von alten Zeitungen.

Beim vierzigsten Geburtstag seiner Mutter lernt er Martha Gruber kennen, für die seine Mutter putzt. Sie ist Professorin und besitzt, was Zeljko sich sehnlichst wünscht: Bücher, Bildung und Souverenität. Trotz des hohen Altersunterschieds und den nicht ganz einfachen Umständen verlieben sich die beiden Hals über Kopf. 

Martha spricht mit Zeljko, wie sonst niemand und mit ihrer Liebe wächst seine Welt. Was ist das für eine Welt? Wen lässt er zurück? Wann wird das Begehren zur Ausbeutung?

Während einem ganzen Jahrzehnt bewegt sich das ungleiche Paar zwischen Intimität und Illusion. Ihre Verbindung spiegelt sich im Verhältnis zu Professor Alex Donelli, einem charismatischen Typen, den Zeljko bei seinem Studium näher kennenlernt.

Der Roman führt ins Olympische Dorf nach München, ins Watt einer Nordsee-Insel und in die dunkle Seele der Herzegowina. 

Autor Martin Kordic schreibt mit viel Zärtlichkeit für seine Figuren, eine wunderschöne und zugleich auch traurige Liebesgeschichte. Ein Buch, das man ungern aus den Händen legt.

Martin Kordic: Jahre mit Martha       S. Fischer Verlag

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Roman über subtile Gewalt

Ehehölle und Kinderglück

Ela wächst in den 1980er Jahren im Hunsrück auf. Beherrscht wird ihre Familie von der fixen Idee des Vaters, der seine übergewichtige Frau für alles verantwortlich macht, was in seinem Leben schiefläuft oder nicht klappt. Für ihn ist klar, dass ihm die erhoffte Karriere am Arbeitsplatz verwehrt bleibt, weil er seine Gattin nicht vorzeigen kann. Täglich beschimpft er sie, fordert sie zum Abnehmen auf und schlussendlich schafft er eine Waage an, wo sie sich täglich vor seinen Augen draufstellen muss.

Sein Verhalten färbt auch auf Ela ab, die ihre Mutter über alles liebt, sich aber für deren Körper zu schämen beginnt. Die Mutter erträgt und stemmt vieles. Beinahe wortlos lässt sie die Attacken ihres Mannes über sich ergehen, bekommt ein weiteres Kind, kümmert sich um ein Pflegkind und später übernimmt sie die Pflege ihrer dementen Mutter. Durch die vielen unterschiedlichen Diäten ist ihre Gesundheit angeschlagen, zudem betrügt der Ehemann sie. Seine Anschuldigungen werden immer roher und er wird zunehmend aggressiver. Er ist Teil einer Gesellschaft, die vieles toleriert, aber Probleme mit übergewichtigen Menschen hat. Ist sie wirklich zu dick? Ja, entscheidet der Ehemann. Diesem Urteil ist die Mutter ausgesetzt - täglich.

Autorin Daniela Dröscher lässt in ihrem autobiografischen Text die Tochter erzählen. Und diese setzt ihrer Mutter ein liebevolles und zärtliches Denkmal. Es ist die Geschichte einer Frau, die einen einsamen Kampf für Selbstbestimmung kämpft, in einer Zeit und in einem Milieu, in dem Gleichberechtigung noch ganz weit weg ist.  

Daniela Dröscher: Lügen über meine Mutter   Kiepenheuer & Witsch

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