Die Sehnsucht nach der Tochter

Golnaz Hashemzadeh Bonde: Was bleibt von uns

Nahid weiss, dass sie nicht mehr lange zu leben hat und sie will, dass ihre Tochter die Geschichte ihrer Herkunft kennt.

Aufgewachsen im Iran studiert sie als erste Frau in der Familie Medizin. Voller Optimismus zieht sie los, um das politische System zu verändern. Beflügelt von der Liebe zu Masood, begeht sie einen unverzeihlichen Fehler, sie muss aus dem Land fliehen, das von Chomeini und der Islamischen Revolution neu beherrscht wird. Die Flucht nach Schweden gelingt, Nahid und Masood beginnen ein neues Leben. Es könnte die Geschichte einer geglückten Integration sein, doch das ist es nicht.

Eigentlich möchte Nahid ihrer Tochter alles erzählen, doch die Gespräche enden in Vorwürfen an die Tochter.

"Was bleibt von uns" ist ein aufwühlendes Buch, welches in 25 Sprachen übersetzt wurde. Vieles darin tut weh und doch gibt es auch Hoffnung. Dieser Roman entfaltet eine Wucht, die ergreifend ist.

Golnaz Hashemzadeh Bonde: Was bleibt von uns  (Nagel & Kimche Verlag)

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Entdecken Sie Doggerland, eine Inselgruppe in der Nordsee, die es schon lange nicht mehr gibt.

Eine alte Lüge erschüttert das Land

Nach dem grossen Austernfest erwacht Kommissarin Karen Eiken Hornby, Ende 40, neben ihrem arroganten Chef in einem Hotel auf. Fast zur gleichen Zeit wird eine Frau in ihrem Haus brutal erschlagen. Das Opfer: die Ex-Frau des Mannes, mit dem Karen gerade die Nacht verbracht hat. Er darf nicht ermitteln, also übernimmt Karen den Fall. Endlich kann sie zeigen, dass sie mehr drauf hat, allerdings muss sie zuerst ein Alibi für ihren Chef finden, die gemeinsame Nacht ist mehr als unangenehm und peinlich.

Sie beginnt mit ihrem Team zu ermitteln und deckt dabei eine alte Lüge auf, die das ganze Land erschüttern wird.

Die Doggerland-Trilogie ist die neuste Entdeckung aus Skandinavien. Das Setting ist speziell, denn Doggerland gibt es nicht mehr. Vor 8'000 Jahren ist die Inselgruppe, die sich in der Nordsee zwischen Grossbritannien und Dänemark befand, versunken. Glaubwürdig lässt Maria Adolfsson die Inseln mit ihren Bewohnern und Bräuchen wieder auferstehen. Kommissarin Karen ist eine authentische, sympathische Figur, die das Potenzial hat, sich weiterzuentwickeln. Ich warte gespannt auf Band 2. 

Maria Adolfsson: Doggerland - Fehltritt  (List Verlag)

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Für kleine und grosse Schwestern im Geiste

150 Jahre Frauenbewegung

Marta Breen (Text) und Jenny Jordahl (Illustrationen) erzählen im Comic-Stil die 150jährige Geschichte der Frauenbewegung. Pointiert und mit feinem Humor treffen wir auf furchtlose Frauen von  Rosa Luxemburg, Emmeline Pankhurst bis Malala Yousafzai.

Ein informativer, geistreicher und unterhaltsamer Appell an uns alle, weiter für Frauenrechte und Gleichberechtigung zu kämpfen.

Breen/ Jordahl: Rebellische Frauen - Women in Battle  erschienen im Elisabeth Sandmann Verlag

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Verwirrung der Gefühle

Von einem unsichtbaren Aussenseiter

Victor, der aus einfachen Verhältnissen stammt, studiert an einer Eliteschule in Paris, wo er sich mehr schlecht als recht zurecht findet. Der Leistungsdruck und die Einsamkeit setzen ihm zu, doch dann trifft er auf Mathieu, mit dem er gelegentlich in der Raucherecke steht. Zwischen den beiden jungen Männern entsteht eine lockere Freundschaft, die jäh beendet wird, als Mathieu in den Tod springt.

Plötzlich hat Victor alle Aufmerksamkeit auf sich, zwischenmenschliche Beziehungen verschieben sich zu seinen Gunsten. Als vermeintlicher Freund des Opfers wird er für alle sichtbar und interessant. Dann tritt Mathieus Vater in sein Leben. Es entsteht eine aussergewöhnliche Beziehung, fast wie Vater und Sohn.

"Ein Winter in Paris" ist eine ruhig erzählte Geschichte. Jean-Philippe Bondel lässt uns tief in die Psyche von Victor eintauchen. Es geht um Zugehörigkeit, Unterschiede zwischen Paris und dem Umland, Leistungsdruck. Was macht der Tod mit den Hinterbliebenen? Wie viel Raum bekommt er? Wie geht das eigene Leben weiter? Zart, fast poetisch, führt uns Blondel an all diese Fragen heran und hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Jean-Philippe Blondel: Ein Winter in Paris  (Deuticke Verlag)

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Über Schuld und Liebe

Bloss kein Nazischeiss?

"Ich mache keinen über Nazischeiss. Ich mache einen über Sex." Regie-Student Jonas fährt nach New York, wo er Vorbereitungen für einen Sex-Film treffen soll. Es passiert viel in dieser Zeit. Jonas trifft auf eigenartige Menschen, ausserdem lockt eine aussergewöhnliche Frau namens Nele - die Sommerfrauen. In Deutschland wartet die eifersüchtige Mah - die Winterfrau. Ausserdem will er Tante Paula besuchen, die zwar nicht seine Tante ist, aber für die Familie einst eine wichtige Rolle gespielt hat. Und obwohl er keinen Film über Nazischeiss machen will, wird er unweigerlich mit seiner Familiengeschichte konfrontiert, die zum Zweiten Weltkrieg führt.

Chris Kraus reisst viele Themen an. Er lässt uns in die bizarre Künstlerszene eintauchen, zeigt die Gewalt in den 90er Jahren in New York, die Auseinandersetzung mit der Nazi-Vergangenheit in der eigenen Familie und der Umgang mit den Opfern der damaligen Zeit. Er verlangt viel von seinen Leserinnen und Lesern, bleibt dabei aber unterhaltsam und man hält sich gerne in der Umgebung von Jonas auf. Der Humor kommt nicht zu kurz, aber es gibt auch viele schmerzliche Momente in diesem grossartigen Buch.

Chris Kraus: Sommerfrauen Winterfrauen (Diogenes Verlag)

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