Dunkel - brutal - gnadenlos

Island ganz kalt

Die Filmvorstellung ist aus, die Menschen verlassen den Saal, am Schluss ist Stella, die im Kino arbeitet, alleine. Sie geht zu den Toiletten, schliesst sich in der hintersten Kabine ein. Da hört sie, wie sich die Toilettentür öffnet. Das kann eigentlich nicht sein. Hat sie nicht richtig abgeschlossen? Ein lauter Knall - die Tür ist wieder zu. War es der Mann vom Sicherheitsdienst? In diesem Moment tauchen zwei Schuhspitzen unter ihrer Tür auf...

Ein brutaler Mörder bringt zwei Jugendliche um. Via Social Media müssen deren Freunde die letzten qualvollen Minuten mitansehen. Ein weiterer Junge wird vermisst. Wo ist die Verbindung zwischen den Opfern? Warum verdienen sie den Tod?

Kommissar Huldar ermittelt zusammen mit der Psychologin Freyja. Schnell stellt sich heraus, dass die Opfer auch Täter waren und Mitschüler massiv via Social Media gemobbt  haben.

Der neue Thriller von Yrsa Sigurdardottir ist ab und zu ziemlich brutal, von daher nicht für Wohlfühl-Krimi-Lesende. Die sozialkritischen Hintergründe geben dem Pageturner eine zusätzliche Tiefe. Erneut gelingt der isländischen Autorin eine spannende, packende Geschichte, die skandinavischen Krimifans gefallen wird.

Yrsa Sigurdardottir: R.I.P.  btb Verlag

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Eine bewegende Saga

Zwei Weltkriege, zwei Kontinente und acht Nahtoderfahrungen

 

Stella wächst in einem ärmlichen Dorf in Kalabrien auf. Sie ist schön und klug, aber ebenso frech und abweisend. Ihre innere Kraft nutzt sie vor allem, um ihre jüngere Schwester Tina vor den Härten des Lebens zu beschützen. Vater Antonio wandert zum Glück für die Familie nach Amerika aus, Geld schickt er nie, ab und zu reist er nach Italien, was jeweils eine erneute Schwangerschaft der Mutter zur Folge hat. Stella sieht die brutalen Übergriffe auf ihre Mutter, erlebt die beschwerlichen Geburten ihrer Geschwister und sie schwört, dass sie nie heiraten wird.

Kurz vor Eintritt Italiens in den Zweiten Weltkrieg holt der Vater die Familie nach Amerika. Tina und Stella müssen hart arbeiten, damit die Familie durchkommt, sie erleben aber auch die Vorzüge des fortschrittlichen Amerikas.

Stella kämpft immer wieder für ihre Unabhängigkeit, was nicht nur den Zorn des Vaters weckt, es entfremdet sie auch von ihrer Schwester.

Es ist ein kraftvoller Roman, den Juliet Grames geschrieben hat. Stella ist eine beeindruckende Frau, die so sehr für ihre Unabhängigkeit und Freiheit kämpft und ungeachtet der gesellschaftlichen Konventionen ihren Weg sucht. Beeindruckend, spannend, oft auch tragisch und sehr bewegend.

Juliet Grames: Die sieben oder acht Leben der Stella Fortuna   Droemer Verlag

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Atemlos - nicht nur durch die Nacht

Du traust mir - Sie traut dir - Ich traue niemandem

Während Nile in der Boutique ein Hochzeitskleid anprobiert, sitzt Ben da und wartet. Als sie einige Minuten später aus der Umkleidekabine kommt, ist er weg. Für sie ist klar: es muss etwas Schlimmes passiert sein, er würde nie einfach abhauen. Es beginnt eine fieberhafte Suche nach Ben. Niemand will Nile so richtig glauben, nicht mal die engsten Freunde von Ben, die sowieso finden, dass sie viel zu anhänglich ist.

In ihrer Verzweiflung wendet sie sich an Flo, ihre grösste Feindin, die Frau, die noch mit Ben verheiratet ist. Diese ist erstaunlich kooperativ. Die gemeinsame Suche wird zu einer atemlosen Jagd und Nile realisiert, dass sie in diesem perfiden Spiel niemandem trauen kann, schon gar nicht Flo.

Diese Thriller kommt ohne Blut aus. Judith Merchant inszeniert in ihrem Psychothriller ein packendes und raffiniertes Vexierspiel mit verblüffenden Wendungen. Atmelos verschlingt man Seite um Seite - trauen kann man keiner Person.

Judith Merchant: Atme!  Verlag Kiepenheuer & Witsch

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Eine eigene Hütte - nur für Lieselotte!

Eine Hühnervergraulmaschine?

Lieselotte entdeckt  einen grossen, hohlen Holunderbusch - die perfekte Hütte! Und das für sie ganz alleine! So ein Platz will eingerichtet werden, also geht sie zurück zum Bauernhof, um allerlei Gegenstände zu holen. Die Hütte soll nämlich gemütlich werden. Aber als sie zurückkommt, liegen darin schon die Ziege und das Pony. Wie gemein! Diesen Platz hat sie zuerst entdeckt! Als sich dann auch noch die Hühner dazu gesellen, beginnen das Pony und die Ziege zu schmollen. So geht das nicht! Könnte man das Federvieh vielleicht mit einer Hühnervergraulmaschine  verscheuchen?

Herrliche Bilder, schöner Humor, liebevoller Erzählstil - was will man mehr?!

Alexander Steffensmeier: Ein Platz nur für Lieselotte   Verlag Sauerländer

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Früher war alles besser...

Der Untergang eines einstmals modänen Hotels in den Bergen Norwegens

Sedd wächst bei seinen Grosseltern in einem grossen Hotel in den Bergen Norwegens auf. Einst verkehrten da viele Touristen aus der ganzen Welt, mittlerweile bleiben immer mehr Gäste aus, in den 80er Jahren ziehen Ferien im Süden mehr.

Sedd ist ein liebevoller, wohlerzogener 13-jähriger Junge, der im Hotel mithilft, sei es in der Küche bei Jim oder als Portier. Bei einer grossen Geburtstagsfeier bricht die Hauptperson, der Bankdirektor, zusammen. Sedd leistet Erste Hilfe, leider stirbt der Mann trotzdem. Ein neuer Bankdirektor zieht ein und damit auch das Unglück für das Hotel.

Dies ist ein grosser Strang, da ist aber auch noch die Geschichte von Sedds Eltern. Niemand will so richtig von ihnen erzählen, also begibt er sich selbst auf die Suche.

Erik Fosnes Hansen ist ein grossartiger Erzähler, er berührt, er begeistert, er lässt einen in eine wunderbare, manchmal auch traurige Geschichte eintauchen, die von einer Welt erzählt, die es so nicht mehr gibt.

Erik Fosnes Hansen: Ein Hummerleben  Verlag Kiepenheuer & Witsch

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