Lyle und Isaac

Ein Grossvater kämpft um seinen Enkel

Lyle und Peg freuen sich, als ihre Adoptivtochter Shiloh mit ihrem Sohn Isaac nach Hause zurückkehrt. Besonders Grossvater Lyle pflegt eine liebevolle Beziehung zu seinem Enkel Isaac.

Allerdings gibt es einen Wermutstropfen: Shiloh hat sich in ihrer Abwesenheit einer radikalen Glaubensgemeinschaft angenähert. Lyle ist skeptisch, beobachtet seine Tochter und als immer deutlicher wird, dass auch Isaac eine Rolle in dieser Sekte spielen muss, bringt er sein Unbehagen zum Ausdruck. Shiloh reagiert heftig und beginnt ihm den Enkel zu entziehen. Lyle kämpft um das Vertrauen seiner Tochter und für Isaac, den er über alles liebt.

"Ein wenig Glaube" ist eines der schönsten, aber auch schmerzhaftesten Bücher von diesem Frühling. Mit viel Einfühlungsvermögen beschäftigt sich Nickolas Butler mit einem hochsensiblen Thema. Was darf der Glaube und welche Macht  kann er entfalten?

Lyle und Isaac - Grossvater und Enkel - sind zwei wunderschöne Figuren, deren Liebe zueinander unglaublich schön geschildert wird und die man ins Herz schliesst. Ein ganz, ganz starkes Buch!

Nickolas Butler: Ein wenig Glaube   Klett-Cotta

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Virginia - eine ungewöhnliche Frau

Eine letzte Entscheidung

Virginia Woolf steht für das Ringen um Eigenständigkeit, Raum für sich, um eine unverkennbare Stimme, wie keine andere Frau in dieser Zeit. Ihr Leben war reich - auch an Düsternis und Selbstzweifel. Im März 1941 gerät sie in die letzte grosse Krise. Über ihrem Cottage fliegen die deutschen Bomber, sie fühlt sich gefangen, kann nicht ausbrechen. Am 28. März 1941 nimmt sie sich das Leben in einem nahen Fluss.

Über diese letzten zehn Tage schreibt Michael Kumpfmüller in seinem neuen Buch. Er lässt die Schriftstellerin noch einmal ihren Gespenstern begegnen. Sie beklagt ihre mangelnde Fähigkeit, einen achtbaren Roman zu schreiben, ihrem Ehemann Leonard keine gute Frau zu sein, sie findet keinen inneren Frieden mehr. Wir begegnen all den Menschen, die ihr wichtig waren, aber auch den Fragen, die sich aus ihrer Entscheidung gegen das Leben ergeben.

Es klingt bedrückend, das ist es oft, aber es zeigt auch die intellektuelle Brillanz, ihr exotisches Auftreten und wie wichtig sie für die Frauenbewegung und Emanzipation war. Dies alles bringt Kumpfmüler mit sehr viel Einfühlungsvermögen auf Papier.

Michael Kumpfmüller: Ach, Virginia   Verlag Kiepenheuer & Witsch

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Geschichten und mehr

Witzig - spritzig - kriminell

Ingrid Noll zieht in ihren soeben erschienen Kurzgeschichten alle Register: Mal ist sie bitterböse, schwarzhumorig, dann wiederum  führt sie uns an der Nase herum und lässt einem mit einem lauten und erleichterten Lachen zurück. Sie ist eine gute Beobachterin, spielt mit der Phantasie und lässt ihre Lebenserfahrung einfliessen.

"In Liebe Dein Karl" ist ein herrliches Lesevergnügen über Diebe, Triebe, Lust und Last der Liebe, tierische Täter, mörderische Mythen. Nebst erfundenen Geschichten gibt es auch Autobiographisches zu lesen: Ihre Kindheit in China, frühe Idole, ein Brief an ihre verstorbene Mutter und vieles mehr.

Die Grand Old Lady des Krimis hat wieder zugeschlagen - und das sollte man nicht verpassen!

Ingrid Noll: In Liebe Dein Karl   Diogenes Verlag

 

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Leberberger Dialekt

Von einst bis heute

Villecht äs angers mou

es tuet mer scho leid

dass i zum Fritz

nid a d beärdigung

ha chönne go

är wo üs so noch gschtange isch

jo

seit dr ma

villecht gits 

es angers mou

Das obige Gedicht bietet einen kleinen Einblick in das neue Buch von Ernst Burren. "mir nähs wies chunnt" präsentiert Gedichte aus den letzten 50 Jahren. Die Auswahl reicht von seinem legendären Erstling "derfür und derwider" bis zu unveröffentlichten Gedichten aus der jüngsten Zeit. Wie gewohnt überrascht Burren mit seiner Lust an Wortspielen und der Freude an der kleinen Subversion.

Ernst Burren: mir nähs wies chunnt   Verlag Menschenversand

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Kein Zurück mehr

Verschwunden in den endlosen Wäldern

Tim ist tot. Völlig unerwartet ist Ninas bester Freund aus Kindertagen verstorben. Kurz vorher hat er vergeblich versucht, sie zu erreichen. Kurz darauf erhält sie Post von ihm. Sie ist nicht die Einzige. Tim hat nicht nur eine geheimnisvolle Nachricht hinterlassen, sondern auch einen Auftrag: Sie soll seine Schwester Gloria suchen, die vor zwanzig Jahren in den schier endlosen Wäldern verschwunden ist. Soll sie den Auftrag wirklich annehmen? Sich der grässlichen Vergangenheit stellen und zurück in das Dorf und die Wälder?

Melanie Raabe zieht einen mit in die tiefen Wälder. Man spürt die Angst, es fühlt sich alles bedrohlich an. Und immer wieder gelingt es ihr, die Leser und Leserinnen zu überraschen - bis zum Ende hin. Bei Raabe fliesst kein Blut, ihr Thriller lebt von der Atmosphäre. Geschickt baut sie zwei Stränge auf, die nach und nach ineinander übergehen.

Wer atemlose Spannung liebt, sollte das Buch verschlingen.

Melanie Raabe: Die Wälder   btb Verlag

 

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