Wenn eine Maschine denkt, leidet und liebt

Ian McEwan: Maschinen wie ich

Eine solche ménage à trois hat es bisher nicht gegeben, weder im richtigen Leben noch in der Literatur. Da ist der Lebenskünstler Charlie und seine Geliebte, die clevere Miranda. Und hinzu kommt nun der dritte im Bund, nämlich Adam. Adam ist kein Mensch aus Fleisch und Blut, er ist ein Roboter, einer der ersten lebensechten Androiden. Und er scheint mit menschlichen Gefühlen ausgestattet zu sein. Er denkt, er leidet - und er liebt. Ausgerechnet Miranda ist seine Angebetete. Für sie schreibt er Haikus ohne Ende, nicht alle stilsicher, manche triefend vor Romantik, aber immerhin: Er fühlt und schreibt.

Dies alles schmeichelt Miranda und Charlie ist erzürnt. Der Haussegen hängt schief. Nur was dagegen tun? Adam im wahrsten Sinn des Wortes den Stecker ausziehen? Dies bringt Charlie dann doch nicht übers Herz. Denn eigentlich mag er Adam. Er schätzt die Gespräche mit ihm und ist beeindruckt von seinen moralischen Überzeugungen. Sind Roboter etwa die besseren Menschen?

Dies ist der Stoff, aus welchem der britische Autor Ian McEwan eine faszinierende Geschichte entwickelt. Ihrem Sog kann sich keine Leserin und kein Leser entziehen. Die Lektüre des neuen Romans von Ian McEwan ist einmal mehr ein Hochgenuss.

Ian McEwan: Maschinen wie ich (Diogenes Verlag)

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Eine ungewöhnliche Familiengeschichte

Eine Achterbahn der Gefühle

Solomon Matzner und Cici, seine italienische Frau, freuen sich auf ihr Kind. Doch nach einer Fehlgeburt verändert sich ihr Leben drastisch, Cici bleibt verstört zurück. Aus lauter Verzweiflung adoptiert Sol hinter dem Rücken seiner Frau ein Ersatzkind: Cheri.

Cici liebt das Kind abgöttisch, während Sol immer mehr in den Hintergrund gerät und die Eifersucht zu nagen beginnt. Er kann mit dem fremden Kind nichts anfangen.

Cheri wächst zu einem eigenwilligen Teenager heran und ist nicht bereit, die Erwartungen der Eltern oder von sonst jemandem zu erfüllen. Eine akademische Laufbahn schlägt sie aus, sie wird Polizistin.

Als sie herausfindet, dass Sol ein Geheimnis verbirgt, scheint der Bruch mit ihm endgültig.

In diesem Familienroman ist alles drin: Liebe, Leidenschaft, Entfremdung, Einsamkeit, Verrat und Vergebung. Man begibt sich auf eine Achterbahn der Gefühle, lässt sich mitreissen, trauert und leidet mit Cheri - ein Leben voller Höhen und Tiefen.

Tracy Barone: Das wilde Leben der Cheri Matzner  (Diogenes Verlag)

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Über Verlust und Abschied

Wenn ein einzelner Tag im Leben die Weichen neu stellt

Illy ist ein wildes Mädchen mit scharfem Verstand. Zusammen mit ihrem Urgrossvater Tat'ka bildet sie ein ungleiches Gespann, das von tiefer Liebe geprägt ist. Die freie Zeit verbringt sie beim ihm in der Fassbinder-Werkstatt oder sie machen zusammen Ausflüge auf seinem Moped. Tat'ka ist der letzte Fassbinder Tirols, Anhänger der untergegangen K.u.K.-Monarchie und einer der ältesten Einwohner des Dorfes.

Mit ihm teilt Illy Geheimnisse, unter anderem dass in ihrem Schulatlas, den sie gerade erst bekommen hat, ein seltsamer Name steht: Tristan Unger. Jahre später trifft sie auf ihn - er wird ihre erste, grosse Liebe. Tristan, der Aussenseiter, der mit seinen langen Haaren und der Vorliebe für Heavy Metal so gar nicht in die dörfliche Idylle passt. Illys Eltern verbieten ihr den Umgang, Tat'ka deckt die junge Liebe. Doch eines Tages muss Illy eine Entscheidung treffen, deren Konsequenzen sie ihr Leben lang begleiten.

Über zwei Jahrzehnte hinweg erleben wir mit Illy fünf einzelne Tage im Mai, die ihrem Leben eine Wende geben und immer ist Tat'ka da, der Halt gibt, der sich selber nicht vom Leben verbiegen lässt.

Warmherzig und hoffnungsvoll erzählt Elisabeth R. Hager über Verlust und Abschied. Ein optisch unscheinbares Buch - darin versteckt sich ein Juwel!

Elisabeth R. Hager: Fünf Tage im Mai  (Klett-Cotta Verlag)

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Duft von Heuernte und Landgewittern

Eine bedingungslose Jugendfreundschaft

Die Familie Bateman will dem hektischen Leben von London entfliehen und mietet in den Sommerferien ein altes Farmhaus in Yorkshire. Umgeben von Weiden, Schafen und Moor suchen sie Erholung. Harry, der jüngste Sohn, lernt Bell kennen, den Sohn der Vermieter. Schon bald verbindet die beiden Jungen eine tiefe Freundschaft. Jahr für Jahr erleben sie Abenteuer und ihre Freundschaft wird immer tiefer.

Den Erwachsenen gelingt dies weniger schnell. Zwei Welten prallen aufeinander: Städtisches trifft auf bäuerliches Leben. Die Familie aus London tut sich erst schwer mit dem für sie ungewöhnlichen Lebensrhythmus, der auf dem Hof herrscht. Und die Bauersfamilie wirft einen kritischen Blick auf die Fremden aus der Stadt. Doch Jahr für Jahr kommt man sich näher und es entstehen Freundschaften fürs Leben.

"Bell und Harry" ist ein leises, poetisches Buch. Die Figuren schliesst man trotz mancher Schrulligkeit schnell ins Herz, man fühlt sich einfach wohl mit diesen Menschen. Ein absoluter Lesegenuss!

Jane Gardam: Bell und Harry  (Hanser Berlin)

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Der preisgekrönte australische Klassiker

Vom Gefühl erwachsen zu sein, wenn man jung ist

Die sechzehnjährige Martha lebt in einer Kleinstadt im australischen Nirgendwo und wartet darauf, dass ihr Leben endlich beginnt. Als das exzentrische, oft betrunkene, aber kultivierte Ehepaar Booker hinzuzieht, beginnt für Martha eine aufregende Zeit. Sie küsst den doppelt so alten Mr. Booker, er erhellt ihre Welt mit Stil, Abenteuer, Whiskey und Sex. Und er ermöglicht ihr auf gestreiche Weise der Enge ihrer Welt zu entkommen - nur an die Konsequenzen hat sie nicht gedacht.

Cory Taylor erzählt sanft, liebevoll und direkt von der ersten grossen Liebe, die etwas einseitig ist. Für Martha ist es Liebe, für Mr. Booker eine leidenschaftliche Affäre, um seinen vielen persönlichen Problemen ab und zu zu entkommen.

Eine ernsthafte, manchmal auch tragische Geschichte und doch schimmert immer wieder eine Prise Humor durch.

Cory Taylor: Mr. Booker und ich  List Verlag

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